„Game Changer“ Autonomisierung.

Die Automatisierung war lange vor der Digitalisierung ein großes Thema, hat aber inzwischen wieder an Fahrt gewonnen. Alle Unternehmen wollen automatisieren. Die Nachfrage ist enorm. Es wird vergessen, dass der nächste Schritt, die Autonomisierung, vor der Tür steht und zum Wendepunkt wird. Gerade und vor allem für die Softwareindustrie.


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Autonomisierung vs. Automatisierung

Viele Menschen können Automatisierung nicht von Autonomie unterscheiden. Aber es ist einfach: Ein automatisiertes System kann vordefinierte Prozesse ohne menschliches Zutun ausführen. Tritt während der Verarbeitung eine Abweichung vom Standardprozess oder eine völlig neue Anforderung auf, stoppt das System und fordert den menschlichen Bediener auf, die Situation zu klären.

Autonome Systeme hingegen sind darauf ausgelegt, verschiedene Arten von Arbeiten und Prozessen unabhängig, d.h. autonom, in einer Abteilung durchzuführen. Das System braucht keine Menschen.

„Game Changer“

Autonome Systeme sind „Game Changers“, weil sie die Prozesskosten radikal senken. Bei Parashift haben wir eine Engine entwickelt, die bereits zu 100% korrekte Ergebnisse bei der Datenextraktion und Buchung von Buchhaltungsbelegen liefert. Gegenüber automatisierten Systemen, z.B. für die Rechnungsverarbeitung, die über ein ausgefeiltes Ausnahmemanagementsystem verfügen, haben Unternehmen, die diesen Service nutzen, den Vorteil, dass für die Korrektur und Validierung der Daten überhaupt keine Mitarbeiter benötigt werden. Damit biegt sich die Prozesskosten-Kurve in die richtige Richtung.

Der Aufbau autonomer Systeme ist ein Marathon.

Während die Vorteile autonomer Systeme offensichtlich sind, ist der Aufbau autonomer Systeme äußerst komplex. Dies liegt vor allem daran, dass die Maschine früher oder später für jede Situation die bestmögliche Lösung finden muss (nach allen Nutzungen und Regeln der Abteilung). Per Definition ist es unmöglich, diese Komplexität mit einem Regelwerk zu bewältigen. Es wird nie funktionieren. Dies ist wahrscheinlich der Grund, warum in der Buchhaltungsbranche die Vorstellung, dass die Buchhaltung nicht autonom sein kann, hartnäckig ist.

Wir lösen dieses Problem, indem wir ständig unsere eigene maschinelle Lernplattform entwickeln, die aus einer riesigen Menge an Verarbeitungsdaten lernt. Es reicht beispielsweise nicht aus, nur Buchhaltungsunterlagen zu haben, aber die Interaktionsdaten einer qualifizierten, menschlichen Verarbeitung sind von größerem Wert. Wir bilden die Plattform derzeit speziell für die Fallbuchhaltung aus, aber der dahinter stehende Prozess und die Technologie könnten grundsätzlich für fast jede Form der autonomen Abwicklung von qualifizierten Arbeiten eingesetzt werden.

In den Kinderschuhen.

Da die Aufgabe kompliziert und meist enorm komplex zu lösen ist, sind autonome Systeme extrem selten. Und ich bin der Meinung, dass Systeme, die nicht selbstständig lernen und/oder dieses Wissen nicht im Kontext neuer Fälle anwenden können, keine echten autonomen Systeme sind. Sie sind dann eher perfekte und weitgehend automatisierte Mechanismen. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einem solchen Szenario ein neuer Bedarf entsteht, den das System nicht verarbeiten kann. In der Praxis bedeutet dies, dass es nicht mehr möglich sein wird, die gesamten Verarbeitungskosten an einem Punkt zu senken.

Autonome Systeme sind wie Kinder.

Im weiteren Verlauf erlebe ich immer wieder, wie selbst sehr innovative Menschen aus der IT in einem konventionellen Softwareverständnis verhaftet werden. Autonome Systeme sind keine Softwareprojekte, die Sie starten, entwickeln und die xy Ergebnisse liefern können.

Vielmehr sind diese Systeme wie ein Kind, das man zuerst zur Welt bringt und das nur am Anfang relativ wenig lernen kann. Du fütterst es, lehrst immer kompliziertere Dinge, förderst und hinterfragst es, setzt Grenzen und spornst es an. Dies ist ein ganz anderer Ansatz in der Softwareentwicklung. Per Definition hat ein solches Projekt kein Ende. Wir versuchen, diese Philosophie immer mehr in unserem Team zu verankern.

Vom Tool zum Servicepartner.

Aber autonome Systeme haben das Zeug dazu, die Softwareindustrie und die Arbeitswelt auf den Kopf zu stellen. Autonome Systeme verändern die Rolle der Software.

Während Software heute ein Werkzeug ist, um die Arbeit schneller, einfacher, billiger und besser zu machen, übernimmt autonome Software die Arbeit vollständig. Um bei der Buchhaltung zu bleiben: Während heute Buchhaltungssysteme verwendet werden, um Menschen die Buchhaltung zu ermöglichen, werden zukünftige autonome Systeme die Buchhaltung unabhängig machen. Wir sind diesem Punkt viel näher, als man gemeinhin denkt. Wir arbeiten mit Hochdruck daran.

Wenn Software reale Dinge kontrolliert.

Autonome Systeme haben logischerweise einen besonders großen Einfluss, wenn sie beginnen, Objekte unseres täglichen Lebens zu kontrollieren. Das im Moment am häufigsten diskutierte Beispiel in dieser Hinsicht ist sicherlich das autonome Fahrzeug. Ich denke, die Kombination von autonomer Software und physischen Dingen/Maschinen in einer Kadenz wird ungeahnte neue Möglichkeiten schaffen, die wir uns nicht einmal vorstellen können.

Ganz am Anfang.

Wir stehen ganz am Anfang und ich kenne nicht viele Menschen, die allgemeine Konzepte zur Autonomisierung von Softwaresystemen kennen oder damit zu tun haben. Das hat wahrscheinlich damit zu tun, dass die Summe der Herausforderungen und das Maß an Komplexität zunächst überwältigend sind. Je mehr man sich jedoch damit beschäftigt, desto mehr erkennt man, dass es für viele dieser Herausforderungen relativ einfache Ansätze gibt, die gut funktionieren. Was für uns als Start-up extrem schwierig war, war es, ein Geschäftsmodell um die Weiterentwicklung der Plattform herum aufzubauen, das dazu beiträgt, die Entwicklungskosten zu amortisieren und letztendlich auszugleichen.

Nach einer Zeit extremer Unsicherheit, der Suche nach Möglichkeiten, glauben wir nun, dass wir ein ökonomisches Modell gefunden haben, das allgemein zur Entwicklung komplexer autonomer Systeme verwendet werden kann. Das bedeutet nicht, dass es einfacher sein wird, das technologische Ziel zu erreichen. Aber wie wir alle wissen, gibt es keine Abkürzungen zu Orten, die es wert sind, besucht zu werden.